Förderverein "Rettet St. Aegidien" e.V. Oschatz

Geschichte der St. Aegidienkirche

Man geht davon aus, dass an der Stelle der heutigen St. Aegidienkirche im 11. Jahrhundert eine Holzkirche stand. Die älteste uns bekannte Urkunde stammt aus dem Jahr 1213. Immer wieder führten kriegerische Verwüstungen (1429 beim Hussiteneinfall) und Brände zu baulichen Veränderungen, wobei die alte Bausubstanz häufig wiederverwendet wurde.

Ansicht von Oschatz aus dem Jahr 1840
Ansicht von Oschatz aus dem Jahr 1840

Die älteste Bauteile, Umfassungsmauern, Pfeiler und einige andere architektonischen Elemente der heutigen Kirche stammen aus dem 14. Jahrhundert. Der Neubau erfolgte ab 1443 als dreischiffige Hallenkirche im gotischen Stil mit westlicher Doppelturmfront unter Verwendung der Reste eines romanischen Vorgängerbaus, der vermutlich am Ende des 12. Jahrhunderts entstanden war und in seiner Anlage der Leipziger Nikolaikirche ähnelte. Die bauliche Anlage sowie deren Größe zeigt, dass die Stadt im Mittelalter eine bedeutende Entwicklung aufzuweisen hatte.

Melanchton 1548 in Oschatz
Melanchton 1548 in Oschatz

Mit dem Thesenanschlag Luthers 1517 in Wittenberg beginnt die Reformation in Kursachsen. Der Oschatzer Superintendent Johann Buchner tritt daraufhin mit anderen Superintendenten des Herzogtums mit Luther in Kontakt.

 

Die in diesem Zusammenhang von Martin Luther verfassten Trostbriefe sind noch heute im Ratsarchiv zu finden. Ebenso befinden sich dort Briefe von Justus Jonas und Phillip Melanchthon.

 

1539 hält die Reformation unter der Regentschaft Heinrich des Frommen, Herzog zu Sachsen, Einzug in Oschatz.

Am 10. April 1542 wird der Oschatzer Friedensvertrag zwischen Kurfürst Johann von Sachsen und Herzog Moritz von Sachsen zur Beendigung der Auseinandersetzungen um das Stift Wurzen (Wurzener Fladenkrieg ) unterzeichnet.

 

1548 besucht Philipp Melanchthon die Stadt Oschatz.

Carl Alexander von Heideloff
Carl Alexander von Heideloff

Wiederholte Katastrophen setzten der Stadt hart zu. So wurde auch die St. Aegidienkirche nicht verschont. Nur 4 Jahre nach dem verheerenden Stadtbrand 1842 wurde die St. Aegidienkirche in ihrer heutigen Gestalt im klassizistisch-neogtischen Stil mit ihren 75 m hohen Türmen unter der Leitung des Nürnberger Architekten Prof. Carl Alexander von Heideloff von 1846-1849 erbaut.

Rathaus und Kirche um 1862
Rathaus und Kirche um 1862

Prof. Carl Alexander von Heideloff hat große Teile der niedergebrannten Kirche nutzen können. Gemäß seinen Entwürfen ist die Oschatzer Kirche in klassizistischem Stil als Doppelturmanlage mit einer Turmhöhe von 75m und durchbrochenem Maßwerk der Spitzen wieder aufgebaut worden. Die vielen Verzierungen im oberen Turmbereich mussten im Jahre 1912 wieder abgenommen werden, weil ihre Stabilität nicht gewährleistet war und sie eine Gefahr bei starker Windlast darstellten. Die im neugotischen Stil erbaute Kirche atmet noch heute die Formen des klassizistischen Geistes. Bis zur jüngsten Restaurierung galt die St. Aegidienkirche als typische neugotische Raumschöpfung. Die erst durch die jüngsten Untersuchungen festgestellte Farbgebung ist eindeutig dem Farbkanon der klassizistischen Innenräume verpflichtet. Mit der St. Aegidienkirche ist ein einmaliges Kunstwerk geschaffen worden, welches von seinem Architekten bis ins letzte Detail durchgestaltet wurde.

St. Aegidienkirche um 1989
St. Aegidienkirche um 1989

Seit der Wende 1989 war die Rettung des Wahrzeichens der Stadt, der St. Aegidienkirche, möglich. Dank des Vereins „Rettet St. Aegidien“ und der  Unterstützung vieler Spender und Helfer konnte die St. Aegidienkirche vor dem Verfall gerettet werden. Noch liegen wichtige Bauvorhaben an. Zu groß war der Verfall. Näheres finden Sie unter Baugeschehen.