Förderverein "Rettet St. Aegidien" e.V. Oschatz

 

Von Bach zum Boogie-Woogie

 

Oschatzer Musikherbst in der St. Aegidienkirche und Klosterkirche

 

Von Stefan Hantzschmann

Oschatz. Konzerte für den Erhalt des bedeutendsten Oschatzer Wahrzeichens haben Tradition. Damit an der St. Aegidienkirche weiter gebaut und restauriert werden kann, veranstaltet der Verein „Rettet St. Aegidien“ jedes Jahr, wenn die Tage kürzer und die Blätter bu nt werden, den Oschatzer Musikherbst. Einen guten Start gab es am Sonnabend mit einem Wandelkonzert: Orgelmusik von Christian Schiel in der St. Aegidienkirche, lässiger Jazz in der Klosterkirche. „Für mich ist es eine schöne Sache mal wieder an dieser Orgel zu spielen“, erklärt Christian Schiel, der jahrelang Kantor in Oschatz war und nun als freischaffender Künstler mit seinem Konzert den Musikherbst eröffnet. Es dämmert bereits, als er die ersten Töne von Händels Overtüre spielt – die hohen Scheiben in der riesigen Kirche verdunkeln und der Kontrast zum beleuchteten Glasaltar wird stärker. Spätestens bei der Fuge in a-Moll von Johann Sebastian Bach sind die Besucher vertieft in die Musik. „Das ist eine Fuge zum Träumen. Mal etwas anderes“, hatte Schiel vor dem Konzert angekündigt. Jetzt brummt die Orgel unter seinem Spiel tiefe, bassige Töne in die Kirche, sodass der Holzboden leicht vibriert. Oft plätschern die Töne ganz sanft dahin – eine Fuge zum Träumen. „Herr Schiel macht das ganz großartig und wir finden die Mischung im Programm sehr gut“, sagt Corina Schneider. Diese wählt Christian Schiel immer mit Bedacht aus. „Bei diesem Programm haben die Jubilare Händel, Haydn und Bartholdy eine Rolle gespielt. Außerdem versuche ich immer einen gefühlsmäßigen Ablauf zu finden. Das überlege ich mir schon“, so der Organist. Seine eigene Komposition bei diesem Konzert, eine Sonatine, bezeichnet er als „eher brav und nicht allzu modern“. „Das Stück habe ich im Urlaub 2008 geschrieben, als ich noch in Oschatz angestellt war“, erklärt Schiel. Inzwischen weht um die ehrwürdige Kirche ein frischer Wind. Das Konzert ist vorbei – zumindest an diesem Ort. Die meisten Besucher gehen allerdings in Richtung Klosterkirche. „Ich freu mich auf den zweiten Teil“, kündigt Karsten Kuhnitzsch an, der beide Konzerte an diesem Sonnabendabend besucht. Alexander Blume und seine Jazz- Combo „Jazzfamily“ steigen auf die kleine Bühne in der Klosterkirche. Hinter ihnen strahlt eine eigenwillige Kunst-Installation in Rot und Weiß. Blume setzt sich ans Klavier und klimpert auf den Tasten in einer Geschwindigkeit, als wäre es das Einfachste auf der Welt. Das Publikum wippt energisch mit, keiner hält mehr still. Kneipenjazz erster Klasse: Es wird geklatscht, der Trompeter schmettert ein Solo nach dem anderen und selbst die Musiker stampfen mit dem Takt.

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Alexander Blume und seine Jazz-Combo „Jazzfamily“ begeistern in der Oschatzer Klosterkirche die Zuhörer. Sie bekamen Kneipenjazz vom Feinsten zu hören. Die Einnahmen des Musikherbstes kommen der St. Aegidienkirche zugute.

Fotos: Sven Bartsch

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Kunstgenuss der besonderen Art

 

Von Heinz Großnick

Der Oschatzer Musikherbst ging am Sonnabend in seine 16. Runde. Schade nur, dass in der St. Aegidienkirche diesmal viele Plätze leer blieben. Den Zuhörern wurde allerdings ein Kunstgenuss der besonderen Art geboten. Nicht nur die Musikfreunde kamen bei den beiden Konzerten in der St. Aegidienkirche und der Klosterkirche voll auf ihre Kosten. Die Einnahmen kommen wie bereits in den vergangenen Jahren dem Förderverein „Rettet St. Aegidien“ zugute. Die Vereinsmitglieder haben sich ein ehrgeiziges Ziel gestellt. Schritt für Schritt soll die Kirche noch schöner werden. Auf das bisher Erreichte können die Akteure stolz sein, denn der bauliche Fortschritt am Gotteshaus bleibt niemandem verborgen.

© Von Bach zum...

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